Julia Emde

journal::tagebuch::diary

Dirk Steffens – Tierisch!

Januar21

Heute möchte ich euch kurz eines meiner absoluten Lieblingsbücher vorstellen. JA – es ist ein Buch über Tiere. Und – ich finde es total toll. Es ist witzig geschrieben und man bekommt allerhand interessante und witzige Fakten über Tiere vermittelt.

“Am Rand der Schöpfung ist jede Menge los: Furzende Seekühe, pickelige Mondfische, liebevolle Vampire, mutierte Warzenkröten und heilige Möwen – das Tierreich steckt voller Überraschungen und skurriler Anekdoten: Haben Ratten gutes Karma? Wieso hat Kolumbus die Meerjungfrauen nicht geküsst? Was macht eine Aga-Kröte im australischen Parlament – und warum sollte man es als Mann tunlichst unterlassen, in den Amazonas zu pinkeln?”

“Warum also gibt es rosa Delfine? Warum haben Manatis Blähungen, sind Vampire harninkontinent und Koalas bedröhnt? Warum haben Mondfische auch jenseits der Pubertät Pickel und warum ist der Pimmelfisch so gemein?”

“So was will man nicht wissen? Will man aber. Ich jedenfalls.” Ich auch. :)

Tja – und Dirk Steffens hat mich mit seiner Wissbegier nach diesen Dingen schon von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Ich habe jetzt vielleicht ein wenig mehr “unnützes Wissen”, aber ich habe auch sehr oft lachen müssen… über die Tiere und die ihnen eigenen Kuriositäten. Wer sich für außergewöhnliche Tiere interessiert… sollte dieses Buch lesen. ;)

posted by Julia under Rezension | No Comments »

Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Dezember29

Ein weiteres Buch, das ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, ist Sarah Kuttners Debütroman “Mängelexemplar”.

“Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und traurig. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da.” 

Sarah Kuttner beschreibt in ihrem Debütroman das bedrückende Tabuthema Depression. Nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und dem Scheitern ihrer Beziehung wird die Protagonistin Karo aus der Bahn geworfen. Kontrollverlust, Verunsicherung und Orientierungslosigkeit führen bei Karo zu einer Depression, zu Panikattacken und der sog. Angst vor der Angst (Angstspirale).

Durch ihre Therapie, die Selbstreflexionen und Beobachtungen ihrer Person, wird dem Leser Karos Entwicklung vor Augen geführt.

Authentisch, mit viel Witz und Charme beschreibt Sarah Kuttner die Selbstreflexion der depressiven Protagonistin:

“Ich bin anstrengend. Das klingt erstmal ziemlich lässig. Es klingt liebenswert und ein wenig kokett, selbstironisch, im Grunde genommen genau so, wie man sein Mädchen gerne mag. Cool, nicht zu lieblich, nicht zu damenhaft,… Ich bin anstrengend. Ich werde sehr schnell wütend, traurig, überdreht und laut.
Auch das klingt zunächst sehr sympathisch: Ach, Karo ist eben einfach nur sehr emotional.
… Aber ich kann versichern: Das ist anstrengend. Es ist anstrengend für mein Umfeld, und es ist vor allem anstrengend für mich.
Gefühle sind Stress.” S. 13

“So bin ich. Anstrengend. Und ich kokettiere damit nicht. Denn jegliches bei mir ankommende Gefühl, ob positiv oder negativ, potenziert sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Drama… Kleinigkeiten machen mich irre, wegen einer Mücke werde ich zum Elefanten.” S. 14

“Selbstmitleid ist nicht schick, es schmückt nicht, es ist hässlich und entstellt.” S. 29

Zudem versucht Sarah Kuttner mit dem Vorurteil vieler Menschen zu brechen, dass Antidepressiva die Persönlichkeit eines Menschen verändern.

“Eine Befürchtung, die viele Menschen haben, ist, dass Antidepressiva das Bewusstsein, die eigene Persönlichkeit verändern. Dass man von Tabletten gesteuert ist und nicht mehr man selbst. Das stimmt aber nicht. Ich fühle mich nicht fremd. Die Tabletten machen mich nicht falsch glücklich, nur weniger chaotisch. Ich bin traurig, wenn ich traurig bin, und unsicher und ängstlich, wenn es passt. Nicht mehr alles auf einmal.” S. 103

Im Verlauf ihrer Therapie und den Gedanken, die sich Karo über sich selbst macht, fällt ihr auf, dass sie nicht allein ist mit ihrer Depression, ihren Panikattacken und ihrer Angst, dass sich aber viel zu wenig Menschen trauen darüber zu sprechen oder dagegen etwas zu unternehmen:

“Beim Essen reden wir wieder viel über uns, unsere Köpfe, Depressionen, Angst und Therapien. Wir haben bemerkt, dass viele unserer Freunde ähnliche Probleme haben. Allein mir fallen mindestens fünf Freunde oder Bekannte ein, die unter Angststörungen und depressiven Schüben leiden und nichts dagegen unternehmen. Sie ertragen alles demütig. Keiner geht zur Therapie oder sich Medikamente verschreiben.” S. 161

In dieser Passage macht Sarah Kuttner deutlich, dass Depressionen, Angst und Therapie in unserer heutigen Gesellschaft stigmatisierte Themen sind, die lieber unter den Teppich gekehrt und “totgeschwiegen” werden, als sich mit ihnen auseinander zu setzen, obwohl sie mittlerweile einen beträchtlichen Teil unserer Gesellschaft betreffen.

“Dass man nicht einfach verrückt ist, sondern krank. Dass man sich Hilfe holen darf, sogar soll. Dass man aus diesem dunklen Raum nicht allein rauskommen kann und es auch niemand von einem erwartet. Und vor allem: dass man wieder ganz werden kann. Irgendwann.” S. 165

Für nicht betroffene Personen, wie bspw. Angehörige oder Freunde von depressiven Menschen ist es unglaublich schwer, bis unmöglich die Gedanken von depressiven Menschen nachzuvollziehen oder gar zu verstehen, weshalb an Depressionen erkrankte Menschen oft fälschlicherweise als “verrückt” abgestempelt werden.

Da Sarah Kuttner in “Mängelexemplar” die Leser mit viel Feingefühl, Witz, Charme und einem gewissen Maß an Authentizität an das Tabuthema Depressionen heranführt, hat mir der tragikomische Roman sehr gut gefallen und ich würde ihm jedem, der mehr über das Thema erfahren möchte, empfehlen.

 

posted by Julia under Rezension | 4 Comments »

Nick Hornby – Small Country

Dezember28

Es ist schon etwas länger her, dass ich meine erste und letzte Rezension hier veröffentlicht habe. Das liegt u.a. daran, dass ich oft abends nur noch müde ins Bett falle und neben dem Studium und meinen zwei Jobs z.T. auch gar keine Zeit mehr habe besonders viel zu lesen.

Da ich aber in den letzten zwei Wochen drei Bücher geschenkt bekommen habe und mal wieder etwas mehr Zeit hatte, habe ich mich direkt auf Nick Hornbys “Small Country” gestürzt.

“Small Country: Vier Erzählungen von Nick Hornby, in denen umwerfend sympathische und leicht naive Menschen in ziemlich blöde Situationen kommen und versuchen, das Beste daraus zu machen.”

Ganz nach Hornby-Art regen die vier Erzählungen zum Lachen und Nachdenken an. Nach “High Fidelity”, “About a boy” und “A long way down” ist “Small Country” der vierte Hornby, von dem ich begeistert bin.

“Eine Mutter erfährt, dass ihr Sohn Pornostar ist,… In Campina, dem kleinsten Land der Welt, wird Stefan gezwungen, in der Nationalelf mitzuspielen, weil es halt nur elf Männer in Campina gibt. Ein unheimlicher Videorekorder hat ungeahnte Fähigkeiten und ein Wachmann in einer Galerie muss auf ein Bild aufpassen, das auf den zweiten Blick provozierende Details preisgibt.”

Mein Tipp: lesen.

posted by Julia under Rezension | No Comments »

Anthony McCarten – Superhero

Dezember28

Vor und während der Weihnachtsfeiertage hatte ich ein bißchen Zeit zu lesen und habe gleich zwei Bücher verschlungen. Das Erste möchte ich euch heute vorstellen. Das Zweite dann in ein paar Tagen. Bald soll eine ganze Serie daraus entstehen, in der ich euch immer mal wieder Bücher vorstellen möchte, die ich gelesen habe. Beginnen möchte ich heute mit Superhero von Anthony McCarten.

Donald Delpe ist vierzehn und hat Leukämie. McCarten beschreibt das Leben des Vierzehnjährigen zwischen Chemotherapien, der Fürsorglichkeit seiner Eltern und dem Wunsch nicht als Jungfrau aus dem Leben zu scheiden.

Die Sprache des Buches ist sehr modern und mitreißend. Der Leser wird in rasantem Tempo durch die Geschichte gezogen.
Personen, die das erste Mal auftauchen, werden, wie in einem Film kurz charkaterisiert, so dass man sich schnell “ein Bild von ihnen machen kann”.

Seine täglichen Erlebnisse verarbeitet Donald in Form von Comics, die er zeichnet. Er erfindet seinen “eigenen Helden – MiracleMan”. Zunächst könnte man als Leser denken, man bekäme “nur” die pornographischen Bilder aus dem Kopf eines vierzehnjährigen Jungen geliefert. Aber es wird schnell klar, dass mehr hinter den Beschreibungen und Comics steckt, als außer Kontrolle geratene Hormone, denn eigentlich möchte Donald nur eins wissen: Wie geht Liebe?

Neben seiner Krankheit fließen der tägliche Wahnsinn mit seinen Eltern und die Hoffnung auf ein normales Leben in seine Zeichnungen ein. Nach einem Selbstmordversuch Donalds, betritt der zweite Protagonist der Geschichte die Bühne, der Psychologe Dr. Adrian King. Dieser versucht dem Vierzehnjährigen die schönen Dinge des Lebens zu vermitteln, für die es sich zu leben lohnt. Doch es wird im Laufe der Geschichte klar, wer von beiden der eigentliche Lehrmeister für den anderen ist. Zum Schluss begreift der Psychologe schließlich, was Leben bedeutet…

Ich habe gelacht… und ich habe geweint. Superhero ist eine rasante und wundervolle Achterbahnfahrt durch das Leben eines Vierzehnjährigen. Ich kann das Buch definitiv weiterempfehlen – unbedingt lesen!

posted by Julia under Rezension | No Comments »