{"id":4503,"date":"2015-01-28T23:20:53","date_gmt":"2015-01-28T22:20:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.julia-emde.de\/inside\/weblog\/?p=4503"},"modified":"2015-01-28T23:20:53","modified_gmt":"2015-01-28T22:20:53","slug":"vielleicht-ein-beitrag-zum-nachdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.julia-emde.de\/inside\/weblog\/2015\/01\/28\/vielleicht-ein-beitrag-zum-nachdenken\/","title":{"rendered":"Vielleicht ein Beitrag zum Nachdenken&#8230;"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eMenschen k\u00f6nnen sich &#8211; auch k\u00f6rperlich &#8211; gestalten. Menschen m\u00fcssen dies aber auch. Hierzu gibt es keine Alternative\u201c (Villa 2012, S. 132).<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>In unserer heutigen Gesellschaft ist es zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden, dass sich ihre Mitglieder mit ihrem K\u00f6rper, seinem \u00c4u\u00dferen und seinen Befindlichkeiten auseinander setzen. Wer in der heutigen Gesellschaft akzeptiert sein m\u00f6chte, sollte m\u00f6glichst fit, schlank, sch\u00f6n, gesund und erfolgreich sein.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Um diese (K\u00f6rper-)Ideale zu erreichen, gehen die Menschen ins Fitnessstudio, Joggen, betreiben andere Sportarten, besuchen Yoga- und\u00a0Pilates-Kurse, versuchen sich so gesund wie m\u00f6glich zu ern\u00e4hren, machen Di\u00e4ten oder Fastenkuren, besuchen Wellness-Hotels oder\/und schrecken z.T. auch nicht vor einem Besuch beim Sch\u00f6nheitschirurgen zur\u00fcck.\u00a0Die M\u00f6glichkeiten seinen K\u00f6rper zu ver\u00e4ndern und zu formen, sind mittlerweile ins Unendliche gewachsen und werden von Kritikern u.a. als \u201eK\u00f6rperkult\u201c und \u201eSch\u00f6nheitswahn\u201c betitelt (vgl. Gugutzer 2007, S. 3). Im Vergleich zu einem religi\u00f6sen Kult bedeutet K\u00f6rperkult, dass Individuen ihren K\u00f6rper verehren und deshalb bspw. einen hohen Geldbetrag f\u00fcr Hautpflegeprodukte und eine sportliche und fitnessorientierte Lebensf\u00fchrung ausgeben bzw. regelm\u00e4\u00dfig sportlichen Aktivit\u00e4ten nachgehen. Oft ist dieser sportliche Aktivismus in Form von festgelegten Trainingsabl\u00e4ufen, -tagen und -zeiten bis ins Detail ritualisiert (vgl. ebd., S. 4).<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>W\u00e4hrend die klassische Subjektphilosophie von der Unabh\u00e4ngigkeit des Subjekts ausgeht, sieht Foucault das Subjekt in Abh\u00e4ngigkeit zu Diskursen sowie zur sozialen Gemeinschaft und ihren Lebensweisen, innerhalb derer das Subjekt sich stets anzupassen versucht, um ein akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft zu sein (Reckwitz 2007, S. 12f.).<br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/katalogplus.ub.uni-bielefeld.de\/cgi-bin\/new_titel.cgi?katkey=2367732&amp;query=julia%20emde&amp;vr=1&amp;pagesize=10&amp;sprache=GER&amp;bestand=lok&amp;sess=b212c03fa68d40743c91c8c92453e1a1\" target=\"_blank\">Diplomarbeit Julia Emde<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Nachdem vor\u00a0ca. 2 Jahren einige Mode-Labels und Firmen dazu \u00fcbergegangen sind die Damen-Konfektionsgr\u00f6\u00dfe 38 als Beginn der \u00dcbergr\u00f6\u00dfen bei Damen zu bezeichnen&#8230;:<\/p>\n<blockquote><p><span class=\"firstLetter\">L<\/span>ange Beine, feste Schenkel, schmale Taille und eine sch\u00f6ne Oberweite: Das ist die Idealfigur einer Frau, die viele anstreben. F\u00fcr H&amp;M sind das \u00dcbergr\u00f6\u00dfen-Models.<br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/lifestyle\/mode\/schlanke-hm-models-fuer-uebergroessen-38-ist-die-neue-54-2060143.html\" target=\"_blank\">Stern<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;und bspw. ein weiteres Modelabel plakatierte \u00e4u\u00dferst provokativ:<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir wollen an coole, gut aussehende Menschen verkaufen \u2013 und an keinen anderen.\u201c Dabei handele sich besonders um Jugendliche mit \u201evielen Freunden\u201c und \u201egro\u00dfartiger Einstellung\u201c, halt \u201etypische amerikanisch\u201c. \u201eViele Menschen geh\u00f6ren nicht dazu, und sie sollen auch nicht dazu geh\u00f6ren\u201c, befand er lappidar. \u201eOb wir Leute damit ausschlie\u00dfen? Klar!\u201c<br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/unternehmen\/gnadenlose-marketingstrategie-abercrombie-mag-keine-dicken-maedchen-einkleiden_aid_987083.html\" target=\"_blank\">Focus<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Dasselbe\u00a0Mode-Label setzte seine Kleidergr\u00f6\u00dfen \u00fcbrigens\u00a0noch weiter herunter und bietet mittlerweile sogar die Kleidergr\u00f6\u00dfe Triple Zero an.<\/p>\n<blockquote><p>Size Zero (0) entspricht der deutschen Konfektionsgr\u00f6\u00dfe 32, Size Double Zero (00) der Gr\u00f6\u00dfe 30 und Triple Zero (000) dementsprechend der Gr\u00f6\u00dfe 28. Die Frage liegt nahe: Wer soll diese Gr\u00f6\u00dfe tragen \u2013 oder vielmehr in sie hinein passen?<\/p>\n<p>In Deutschland tr\u00e4gt die durchschnittliche Frau \u2013\u00a0nach Angaben des Robert Koch Instituts \u2013 die Kleidergr\u00f6\u00dfe 38.\u00a0<strong>Sie ist 1,65 Meter gro\u00df, wiegt zwischen 65 und 68 Kilo und passt ganz sicher nicht in eine Jeans, die einen H\u00fcftumfang von nur 58 Zentimetern (23 Inch) hat.<\/strong>\u00a0Aber genau so ist eine Jeans in der Gr\u00f6\u00dfe 000, Triple Zero geschnitten.<\/p>\n<p><strong>Zur Veranschaulichung: 58 Zentimeter entsprechen dem Taillenumfang eines sechs bis acht Jahre alten M\u00e4dchens!<br \/>\n<\/strong>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.stylebook.de\/fashion\/Abercrombie-und-Fitch-fuehrt-Size-Triple-Zero-ein-445426.html\" target=\"_blank\">Stylebook<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht erst mit der Einf\u00fchrung der Konfektionsgr\u00f6\u00dfen Zero bis Triple Zero\u00a0d\u00fcrften\u00a0wohl viele\u00a0Frauen damit begonnen haben sich die Frage zu stellen:<\/p>\n<blockquote><p>Ab welcher Konfektionsgr\u00f6\u00dfe gilt eine Frau hierzulande nicht mehr als schlank?<\/p>\n<p>In der Regel kommt es dabei auf den Betrachter an. Allerdings heizen Model-Bilder und eine neue Modelinie des spanischen Labels &#8220;Mango&#8221; derzeit die Diskussion um \u00dcbergr\u00f6\u00dfen und Schlankheitswahn wieder an. So sorgte ein Foto des eher normalgewichtigen Models Robyn Lawley im australischen Magazin &#8220;Cosmopolitan&#8221; f\u00fcr Diskussionen im Internet, weil sie f\u00fcr &#8220;Plus-Size&#8221;, also \u00dcbergr\u00f6\u00dfen, warb \u2013 mit einer Konfektionsgr\u00f6\u00dfe von 38. [&#8230;]<\/p>\n<p>Frauen wie Sophia Loren oder Marilyn Monroe galten zu ihrer Zeit als G\u00f6ttinnen \u2013 heute w\u00fcrden sie wie Model Robyn Lawley mit dem Zusatz &#8220;Plus-Size&#8221; belegt. Nach wie vor, sagt Altweger [Psychologin], geht es der Modeindustrie eben vor allem darum, Illusionen und Tr\u00e4ume zu verkaufen. Wohlwissend, dass diese von den meisten Frauen nicht zu erreichen sind und die Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit krank machen kann.<br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/panorama\/ausland\/plus-size-38-wirbel-um-das-normalmass-aid-1.4004419\" target=\"_blank\">RP. Online<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Beeinflusst durch den \u00f6ffentlichen Diskurs (Plakate, Zeitschriften, Werbung, etc.) scheint eine gro\u00dfe Anzahl von Menschen, wahrscheinlich speziell Frauen die Orientierung zwischen &#8220;normal&#8221; und &#8220;anormal&#8221; verloren zu haben, bzw. zu verlieren.<\/p>\n<blockquote><p>Nach J\u00fcrgen Link, Thomas Loer und Hartmut Neuendorff (2003) spielen die Begriffe \u201enormal\u201c und \u201eNormalit\u00e4t\u201c in modernen Gesellschaften eine wichtige Rolle &#8211; die Autoren vermuten dabei, dass es sich bei Normalit\u00e4t um \u201eein f\u00fcr moderne Gesellschaften bedeutsames Ph\u00e4nomen handeln k\u00f6nnte\u201c (Link\/ Loer\/ Neuendorff 2003, S. 7). Die Funktion des sog. \u201eNormalismus\u201c besteht dabei aus der Summe \u201evon Diskursen, Verfahren und Institutionen\u201c, die der Bev\u00f6lkerung bzw. dem System legitimierte Orientierungshilfen auf dem Weg zur Normalit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellen. Als angebracht oder normal in der Gesellschaft gilt dabei, was nach der Vermessung der Bev\u00f6lkerung bzw. ihrer Handlungen und denen aus ihnen hervorgehenden bedeutsamen sozialen Besonderheiten als kollektiv akzeptiert betrachtet werden kann (vgl. ebd., S. 9).<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eDas Orientierungswissen des &gt;&gt;Normalismus&lt;&lt; als eines spezifisch modernen Gesamtkomplexes von &gt;&gt;Normalisierungsprozeduren&lt;&lt; (Herstellung und Aufrechterhaltung der systemwichtigen &gt;&gt;Normalit\u00e4ten&lt;&lt; ) ist also in seinem Kern statistisch aufbereitetes Wissen \u00fcber Durchschnittswerte, Verteilungen von Ereignissen, Abweichungsma\u00dfe und Extremwerte\u201c (ebd.).<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Nach J\u00fcrgen Link (1999) bedeutet Normalisierung zun\u00e4chst einmal nichts anderes als das Bestreben der Individuen einer Herstellung bzw. einer \u201e,Wiederherstellung von Normalit\u00e4t\u2018 im Sinne der ,R\u00fcckkehr von Messwerten in einen normal range aufgrund von Intervention\u201c (Link 1999, S. 36). Betrachtet\u00a0man bspw. die erhobenen Daten zu K\u00f6rpergewicht oder -gr\u00f6\u00dfe einer Gesamtgesellschaft, so f\u00e4llt auf, dass sich die Ergebnisse in einer sog. Normalverteilung darstellen lassen. Ein \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Anteil der Individuen l\u00e4sst sich dabei in einem breiten Mittelfeld, dem sog. \u201enormal range\u201c, also dem \u201enormalen Bereich\u201c verorten (vgl. Link 2005, S. 5). Als \u201enormaler Bereich\u201c gilt dabei ein breiter, mit einer gewissen Flexibilit\u00e4t ausgestatteter M\u00f6glichkeitsrahmen von Schwankungen innerhalb dessen sich alles befindet, was als normal angesehen wird (vgl. ebd.).<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Alles, was sich au\u00dferhalb des normalen Bereichs befindet, in den Beispielen von K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe und &#8211; gewicht sind dies sehr gro\u00dfe oder sehr kleine Menschen oder eben Menschen mit \u00dcber- oder Untergewicht, wird als \u201eanormal\u201c bezeichnet (vgl. ebd.).<\/p>\n<p>Diese Differenzierung von normal und anormal bedeutet f\u00fcr die Gesellschaftsmitglieder, dass sie ihre Position im sozialen Gef\u00fcge ausschlie\u00dflich durch eine Platzierung im normalen Bereich bekommen und bewahren k\u00f6nnen, wenn sie bereit sind daran zu arbeiten (vgl. Meissner 2010, S. 149).<br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/katalogplus.ub.uni-bielefeld.de\/cgi-bin\/new_titel.cgi?katkey=2367732&amp;query=julia%20emde&amp;vr=1&amp;pagesize=10&amp;sprache=GER&amp;bestand=lok&amp;sess=b212c03fa68d40743c91c8c92453e1a1\" target=\"_blank\">Diplomarbeit Julia Emde<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Ich denke, dass es nicht nur f\u00fcr mich in gewisser Weise erschreckend ist, wie sich die Bedeutung und die Diskussion um &#8220;\u00c4u\u00dferlichkeiten&#8221; ge\u00e4ndert hat, und es bleibt abzuwarten in welche Richtung sich der \u00f6ffentliche Diskurs weiterentwickeln und welchen Einfluss er auf die Gesellschaft und ihre Wahrnehmung und Beeinflussung, bzw. &#8220;Bearbeitung&#8221; ihrer K\u00f6rper haben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMenschen k\u00f6nnen sich &#8211; auch k\u00f6rperlich &#8211; gestalten. Menschen m\u00fcssen dies aber auch. Hierzu gibt es keine Alternative\u201c (Villa 2012, S. 132). In unserer heutigen Gesellschaft ist es zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden, dass sich ihre Mitglieder mit ihrem K\u00f6rper, seinem \u00c4u\u00dferen und seinen Befindlichkeiten auseinander setzen. 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