Lang lang ist’s her

Ich habe gerade mal nachgesehen: gestern vor drei Jahren habe ich hier den letzten Beitrag veröffentlicht. In der Zwischenzeit ist viel, wirklich viel passiert. Nachdem mein Ex-Freund und ich uns getrennt haben, bin ich in Rheinland-Pfalz noch ein Mal umgezogen. Zusammen mit Pünktchen und Anton in eine Wohnung für uns allein in der Vulkaneifel.

Im März letzten Jahres sind dann sowohl meine Mama als auch mein Onkel in Folge ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben.

Eine Woche nach dem Tod meines Onkels musste ich dann auch noch meinen Seelenkater Anton einschläfern lassen. Erst im Jahr 2020 hatte die damalige Tierärztin den Verdacht geäußert, dass er unter einem Herzfehler leiden könnte. Als ich schließlich am 18. März am späten Nachmittag von der Arbeit zurückkehrte, erwartete Anton mich, nicht wie gewöhnlich an der Tür zu unserer Wohnung.

Also machte ich mich in der Wohnung auf die Suche nach Pünktchen und ihm. Schließlich fand ich ihn im Wohn-/Essbereich vor der Couch liegend. Als ich ihn ansprach und fragte, ob alles i.O. sei, kam nur ein klägliches Miauen von ihm zurück. Auch machte er keine Anstalten mich zu begrüßen. Ich ging schließlich auf ihn zu, hob ihn hoch und setzte ihn auf die Couch. Dort abgesetzt, versuchte er sich zu strecken und los zu laufen. Dabei fiel mir auf, dass er seine Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Panisch holte ich eine der Transportboxen, legte eine Decke hinein und bettete ihn darauf.

Nach einem kurzen Anruf bei der Tierärztin, fuhr ich direkt mit ihm dorthin. Vor Ort wurde ich dann freundlicherweise von anderen Herrchen und Frauchen vorgelassen. Anton wurde geröntgt. Es waren keine sichtbaren Verletzungen am Skelett erkennbar. Daraufhin äußerte die Tierärztin den Verdacht, dass er eine Aortenthrombose habe. Um ihre Diagnose abklären zu lassen, solle ich am besten in die Tierklinik in Neuwied (Rhein) fahren, da er dort einem Ultraschall unterzogen werden könnte.

Während der Autofahrt, bei der ich Anton immer wieder „anflehte“ mich nicht auch noch zu verlassen, kam aus der Transportbox immer wieder klägliches Miauen. In der Tierklinik angekommen, ging alles sehr schnell. Eine sehr freundliche MTA nahm Anton sofort in Empfang und brachte ihn zum Ultraschall. Nach 20 Minuten bangen Wartens teilte sie mir schließlich mit, dass die Verdachts-Diagnose der Tierärztin in Ochtendung sich bestätigt habe. Auf meine Frage, was ich/man jetzt noch für Anton tun könne, antwortete die Dame, dass er jetzt nur noch erlöst werden könnte.

In einem der Behandlungsräume angekommen, brachte man Anton vom Ultraschall zurück zu mir. Ich sprach noch einige Minuten mit der Ärztin der Tierklinik, die mir das Ergebnis der Ultraschalluntersuchung genauer erläuterte und ergänzte, dass es das Beste sei Anton zu erlösen. In den Minuten des Abschieds von ihm, hatte ich das Gefühl, dass mir nun vollends das Herz zerrissen würde.

Die Ärztin hatte den Behandlungsraum verlassen und mir zugestanden, dass ich meinen Mund-Nasen-Schutz abnehmen dürfte, um mich liebevoll von meinem Seelenkater verabschieden zu können. Ich sprach noch ein paar Minuten mit ihm, streichelte und küsste ihn immer wieder dabei, bis ich schließlich die Ärztin in den Raum zurück bat, weil ich sah und merkte, wie schlecht es Anton trotz der verabreichten Schmerzmittel ging. Schließlich gab die Ärztin ihm die „erlösende“ Spritze.

Ganz ehrlich: für mich war es in dem Moment unbegreiflich, dass ich Anton mit nicht mal 6 Jahren gehen lassen musste/sollte. Waren er und Pünktchen doch nach dem Tod meiner Mama und meines Onkels mir nicht mehr von der Seite gewichen… Und nun sollte ich ohne Anton in die Wohnung zu Pünktchen  zurückkehren…

Zurück in der Wohnung, mit leerem Käfig und einem Pünktchen, das sichtlich irritiert war, dass ich ohne ihren Bruder heim kam, brachen bei mir alle Dämme. Die kommenden Tage, Wochen und Monate trauerte nicht nur ich (um meine Mama, meinen Onkel und Anton), sondern auch meine hübsche Katzendame. ?

 

24. April 2022 von Julia
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