Versuch es mal mit arbeiten…

Als ich heute nach der Arbeit und einem anschließenden Abstecher in die Uni noch einkaufen war, wurde ich von einem „Schnorrer“ mal wieder nach Kleingeld gefragt. Im Gegenzug fragte ich ihn nach seinem Alter.

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Im Anschluss an diese Szene ging ich einfach weiter.

Soweit ich weiß, muss in Deutschland niemand betteln. Es gibt Armut in Deutschland ja, aber niemand muss hungern oder sich seinen Lebensunterhalt auf der Straße oder anderswo erbetteln. Es gibt soziale Einrichtungen, an die man sich wenden kann. Manchmal gibt es Tafeln, die so häufig frequentiert werden, dass sie gar nicht genug Lebensmittel für die hohe Nachfrage bereitstellen können.

Ja, es gibt arme Menschen in Deutschland, die sich aus welchen Grund auch immer nicht an die Behörden wenden, und die ihnen zustehende Grundsicherung zu beantragen. Häufig haben diese Menschen Angst vor den Behörden und wenden sich aus diesem Grund nicht an sie.

Ich wohne nun seit knapp acht Jahren in Bielefeld. In dieser Zeit habe ich immer wieder dieselben Punks vorm Bahnhof oder in der Fußgängerzone „rumlungern“ sehen. Hin und wieder habe ich den ein oder anderen von ihnen nach ihrem Alter gefragt und nach den Gründen, warum sie auf der Straße „rumhängen“ und die Passanten um Geld „anschnorren“. Einige von ihnen, waren in meinem Alter – so auch der „Schnorrer“ von heute.

Ich glaube, dass jeder Mensch mal Phasen in seinem Leben hat, in denen es ihm nicht so gut geht – er nicht ganz arbeits- und leistungsfähig ist. Auch ich hatte schon solche Phasen – die Menschen, die mich kennen, wissen wovon ich schreibe. Aber ich habe mich immer wieder hochgerappelt und habe dann etwas langsamer weiter gemacht.

Ich hatte schon öfter mal Momente, in denen ich meine Existenz bedroht sah, weil ich vorübergehend keinen Job neben dem Studium hatte. Nach einer Phase des Selbstmitleids habe ich mich aber immer wieder zusammengerissen, mir einen neuen Job gesucht und weiter gemacht – neben meinem Studium und den Steinen und Problemen, die einem das Leben so in den Weg legen kann.

Wenn ich dann diese jungen Menschen in der Stadt sehe, die in meinem Alter sind… und nicht arbeiten… scheinbar schon seit Jahren nicht… dann ärgert mich das. Und dann sehe ich auch nicht ein ihnen etwas von meinem durch Arbeit verdienten Geld „abzugeben“. Deswegen sagte ich dem jungen Mann heute, dass er es doch mal mit arbeiten versuchen solle…

 

07. März 2012 von Julia
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