Gedanken aus vollen Zügen

Wer mich kennt oder aufmerksam meiner twitter Timeline folgt, weiß, dass ich ziemlich oft mit dem ÖPNV unterwegs bin. Egal ob es sich dabei um einen Bus, die Stadtbahn oder Züge der Deutschen Bahn handelt – immer wieder fällt mir auf, wie viele Menschen mittlerweile einen mp3-Player o.ä. dabei haben.

Es ist nicht so, dass ich mich nicht gerne mit Mitreisenden unterhalte, denn schon sehr oft habe ich im Zug sehr interessante Menschen und damit auch einen Teil ihrer Geschichten kennengelernt. Dennoch etwas zugeknöpft und verschlossen sitzen die meisten, und ich kann mich da nicht ausschließen, mit ihrem mp3-Player, Stöpsel in den Ohren oder einem Kopfhörer auf dem Kopf im jeweiligen Verkehrsmittel und signalisieren damit zum großen Teil, dass sie nicht angesprochen werden möchten. Außerdem hilft die Musik Umgebungsgeräusche weitestgehend auszublenden.

Bei Umgebungsgeräuschen, die ich ausblenden möchte, geht es nicht um die Geräusche des fahrenden Zuges oder Gespräche von Mitreisenden, sondern viel mehr um die Geräusche, die Reisende von sich geben, die sich irgendwie nicht benehmen können. Da sind zum einen Menschen, die sich viel zu laut und damit den ganzen Zug unterhalten. Zum anderen reisen immer wieder Menschen mit Kindern. Ich mag Kinder. Aber Menschen, die ihre Kinder im Zug alles machen lassen, ihnen jede Freiheit einräumen, denen egal ist, was ihre Kinder dort anstellen oder wie laut sie sind, die nerven mich. Vielleicht haben die meisten ihre Kinder auch zuhause nicht im Griff, aber sowas muss meiner Meinung nach einfach nicht sein.

Schließlich stellte ich mir nach dem Henne-Ei-Prinzip die Frage, was wohl zuerst da war: Menschen die sich von ihrer Außenwelt durch Musik, die aus einem mp3-Player o.ä. schallt von ihrer Umgebung abgrenzen wollen oder Menschen die einen mp3-Player nutzen, weil ihnen die Mitreisenden bzw. ihr Verhalten auf die Nerven geht. Wurden der Walkman und alle Geräte, die danach auf den Elektronikmarkt kamen gebaut, um einfach gemütlich Musik hören zu können oder wurden diese Geräte hergestellt, um sich vor der teilweise nervtötenden Umgebung zu schützen?

04. September 2010 von Julia
Kategorien: all days - all ways, On the road again | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. @ daRONN: Ja, die Spezialisten mit den Bose-Boxen auf dem Kopf stören mich auch. ;) Meistens sind es auch noch die, mit dem schlechtesten Musikgeschmack…

  2. Ich selbst brauche auch meinen mp3-Player, um mich täglich auf dem Weg von und zur Arbeit mit der S-Bahn vor den nervtötenden Mitinsassen zu schützen. In-Ear-Kopfhörer wohlgemerkt. Dann nur die ermöglichen es mir, die Umgebung zu 95% auszublenden. Mich stören mitunter auch diejenigen, die ihre Musik so laut aufdrehen, dass man meint, sie hätten keine Kopfhörer im Ohr sondern Bose-Boxen um den Kopf geschnallt.

  3. @ zekkah: Wie ich bereits erwähnt habe, unterhalte ich mich wirklich gerne. Aber mit Menschen, die meiner Meinung nach viel zu laut sind, wie z.B. im öffentlichen Raum eines Zuges, in dem sie mit ihren Themen und ihrer Lautstärke anderen auf die Nerven gehen, möchte ich irgendwie gar nicht reden. ;)

  4. Ähnliche Gedanken wie du hatte ich bei einer Zugfahrt vor einigen Monaten. Dbaei ging es für mich allerdings mehr um den mangelnden Kontaktaufbau bzw. die Möglichkeit ins Gespräch mit Anderen zu kommen…
    Guckst du hier: http://frei-sinn.over-blog.de/article-generationswechsel-50435869.html

  5. die geräte waren da, also nutzt man sie. Walkman, weil es toll war auf dem Rad Musik zu hören, weil es toll war vielleicht auch mal nicht reden zu müssen. Dazu entspannt es auch noch und vor dem generve so zu fliehen war mehr ein positives Zubrot…